Ein Weckruf zur Lage der Natur in Luxemburg – Vorstellung des Aktivitätsberichts für die Jahre 2017 bis 2021

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Das Observatoire de l’Environnement naturel stellt seinen Aktivitätsbericht für die Jahre 2017 bis 2021 vor:

Ein Weckruf zur Lage der Natur in Luxemburg

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde heute der Arbeitsbericht 2017-2021 des Observatoire de l’environnement naturel zur Situation des Erhaltungszustandes der Natur und zur Umsetzung des 2. Nationalen Naturschutzplanes vorgestellt. Präsident François Benoy und die Mitglieder Nora Elvinger, Simone Schneider und Jacques Pir nutzten die Gelegenheit, um erneut auf die kritische Lage fast aller Indikatoren für den Zustand der Natur in Luxemburg hinzuweisen. Die gute Nachricht ist, dass alle Instrumente mittlerweile bereitstehen, um einen Wandel einzuleiten. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass sich das Fenster zur Stabilisierung der Biodiversität in Luxemburg mehr und mehr schließt.

Trotz der hohen Ambitionen des 2. Nationalen Naturschutzplanes (PNPN 2) und der großen Anstrengungen einer Vielzahl staatlicher sowie kommunaler Akteure und NGO‘s, um den Zustand der Artenvielfalt und der Lebensräume in Luxemburg zu verbessern, kommt der Bericht des Observatoriums zu besorgniserregenden Schlüssen. Vor allem die intensiven landwirtschaftlichen Produktionsmethoden, die Zerschneidung der Landschaften durch Verkehrsinfrastrukturen, die Versiegelung der Böden im Zuge der Urbanisierung sowie die weitere Verschmutzung von Gewässer, Böden und Luft durch Verkehr und Industrie bieten der Natur in Luxemburg immer weniger Raum zur gesunden Entfaltung.

Trotz vieler positiver Maßnahmen: Die Situation der Habitate sowie der Tier- und Pflanzenarten hat sich seit 2013 weiter verschlechtert.

Schon vor zwei Jahren hatte das Observatoire darauf hingewiesen, dass sich der Erhaltungszustand der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Pflanzen- und Tierarten – vor allem der Brutvögel des Offenlandes, durchweg negativ darstellt. Zwei Drittel der natürlichen Lebensräume in Luxemburg sind mittlerweile in einem ungünstigen oder schlechten Erhaltungszustand. Nur bei einem Drittel kann man noch von einem ‚günstigen’ Zustand sprechen. Insbesondere Feuchtgebiete, aber auch artenreiche Flachlandmähwiesen werden immer seltener. Bei den wildlebenden Tier- und Pflanzenarten ist die Situation noch dramatischer: 80 % sind in einem prekären Erhaltungszustand. Was den Einbruch bei den Insektenbeständen anbelangt, sind die Folgen für die Ökosysteme noch gar nicht absehbar.

Ein wirksames strategisches Instrument : der Nationale Naturschutzplan

Für das Observatoire sind die gesetzlichen, strategischen und planerischen Instrumente mittlerweile vorhanden, die es braucht, um Fortschritte im Naturschutz zu erreichen. In seiner Stellungnahme zur Umsetzung des 2. Nationalen Naturschutzplanes weist das Observatoire daraufhin, dass etwa Naturschutzgebiete rascher ausgewiesen und einige spezifische Maßnahmen mit Erfolg und im vorgesehenen Umfang umgesetzt werden konnten (z. B. die Wiederherstellung von Halbtrockenrasen oder die Anlage von Amphibiengewässern). Trotzdem muss das Observatoire feststellen, dass in Bezug auf diese gefährdeten Lebensräume – vor allem beim artenreichen Grünland – die Verluste in den vergangenen fünf Jahren weitaus umfangreicher waren, als entsprechende Flächen wiederhergestellt werden konnten.

Das Observatoire gibt in seinem Bericht Empfehlungen, um den Nationalen Naturschutzplan (PNPN) zu stärken, der sich als wirksames strategisches Instrument erwiesen hat. Unter anderem wünscht sich das Observatoire von der Regierung, dass Naturschutz endlich als ressortübergreifendes Anliegen anerkannt wird und der bevorstehende dritte Nationale Naturschutzplan konsequent zur Anwendung gelangt.

Die Neuauflage des Plans (PNPN 3) wird sich an den übergeordneten Zielen der EU Biodiversitäts-Strategie bis 2030 orientieren. Luxemburg muss dabei – auch um seine europäischen Verpflichtungen zu erfüllen – gezielter, schneller und großflächiger wertvolle Lebensräume schützen und wiederherstellen und für eine Erholung der Artenbestände sorgen. Das Observatoire wünscht sich in diesem Zusammenhang Fortschritte bei der Koordination der verschiedenen Partner, beim Monitoring der Maßnahmen und bei der Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie eine Sicherstellung ausreichender Finanzmittel. Die Umsetzung der Grünland-Strategie des Umweltministeriums sieht das Observatoire als unabdingbar, um diese, stark im Rückgang betroffenen Lebensräume in Luxemburg langfristig zu erhalten.

 

Die Chancen in der Landwirtschaftspolitik nutzen

Dass die aktuelle, intensive Landwirtschaft in hohem Maße Verantwortung trägt für die negative Entwicklung der Biodiversität, ist wissenschaftlich unbestritten. Eine vom Observatoire 2021 in Auftrag gegebene Studie zeigt konkrete Wege auf, wie die luxemburgische Landwirtschaft, bei gleicher Fördersumme von 570 Millionen Euro, wirksam biologische Vielfalt unterstützen könnte. Die Erfahrungen der letzten Förderperioden der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) haben gezeigt, dass ein Großteil der Umweltfördermaßnahmen entweder nicht zielführend eingesetzt wurden oder aufgrund eines viel zu geringen Flächenanteils keine Wirksamkeit erzielten. Die vom Observatoire mit der Studie beauftragten Forschungsinstitute schätzen, dass geeignete Maßnahmen auf mindestens 30 % des Grünlandes und auf etwa 25 bis 30 % des Ackerlandes zur Anwendung kommen müssen, damit der Verlust an Biodiversität gestoppt werden kann. Gleichzeitig müssen in Zukunft die Maßnahmen so gestaltet sein, dass sich der Einsatz für Natur- und Umweltschutz für die Landwirte rechnet. Dafür müssen die zur Verfügung stehenden Budgets in die erwiesenermaßen wirksamen Maßnahmen fließen und nicht wie aktuell vorgesehen, nach dem „Gießkannenprinzip“ verteilt werden.

Der nationale GAP-Strategieplan (PSN), der die Rahmenbedingungen schafft, mit denen die europäische Agrarpolitik auf Luxemburg angewendet wird, und das nächste Agrargesetz bieten jetzt die Chance, tatsächliche Fortschritte beim Schutz der Biodiversität und anderer Umweltgüter wie Wasser, Boden und Luft zu erzielen. Angesichts der Herausforderungen, die sich Landwirtschaft sowie Natur- und Umweltschutz auch angesichts des Klimawandels stellen, ist in den Augen des Observatoriums die aktuelle Version des nationalen GAP-Strategieplanes unzureichend und muss dringend nachgebessert werden im Sinne einer Sicherung der Arten- und Habitatvielfalt.

Der Bericht des Observatoire de l’environnement der Jahre 2017-2021 (228 Seiten) enthält:

  • eine aktuelle Analyse des Erhaltungszustandes der Natur und Biodiversität in Luxemburg
  • eine Beurteilung der Umsetzung des 2. Nationalen Naturschutzplanes
  • Empfehlungen des Observatoire für die Neuauflage des Nationalen Naturschutzplanes
  • Massnahmenvorschläge für eine naturverträgliche luxemburgische Landwirtschaftspolitik
  • eine Stellungnahme des Observatoire zum Nationalen Strategieplan der Landwirtschaft 2023-2027 und
  • Empfehlungen zur nationalen Grünlandstrategie.

In den Anhängen finden sich die vom Observatoire in Auftrag gegebenen Studien zur Landwirtschaftspolitk und zu den Biodiversitäts-Verträgen (Vertragsnaturschutz).

 

Der Bericht kann von der Presse in einer Druckversion bei Nora Elvinger angefordert werden.

Pressekontakt:

François Benoy, Präsident, fbenoy@me.com, Tel. 691 447 554

Nora Elvinger, Koordination, nora.elvinger@mev.etat.lu, Tel. 247-86822

L’Observatoire de l’environnement naturel

Les principales missions de l’Observatoire sont:

  • constater l'état de conservation de la diversité biologique ;
  • suivre la mise en oeuvre du plan national concernant la protection de la nature ;
  • proposer des recherches et études en matière d'environnement naturel ;

L’Observatoire de l’environnement est composé de représentants

  • du Ministère de l'Environnement,
  • des Administrations de la nature et des forêts et de la gestion de l’eau,
  • du Musée national d'histoire naturelle,
  • de l’Université du Luxembourg,
  • des communes et syndicats communaux,
  • des associations agissant dans le domaine de la protection de la nature et de l'environnement,
  • de plus, l’Observatoire peut inviter des experts à tout moment

L’Observatoire de l’environnement naturel

Les principales missions de l’Observatoire sont:

  • constater l'état de conservation de la diversité biologique ;
  • suivre la mise en oeuvre du plan national concernant la protection de la nature ;
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  • des Administrations de la nature et des forêts et de la gestion de l’eau,
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